Bis zu 60.600 Euro pro Fördermonat: Das steckt hinter vier geförderten Simulatorprojekten!

Vier Simulatorprojekte, drei Förderempfänger und eine Gesamtsumme, die sich bis auf den letzten Euro addieren lässt: 4.084.120 Euro hat der Bund für Firefighting Simulator: Ignite, ViewApps Arbeitstitel „Kindheitstraum“, Fernbus Simulator 2 und Tourist Bus Simulator – Mallorca zugesagt. Fast die Hälfte davon entfällt auf ein Spiel, das bereits veröffentlicht wurde. Die übrigen 2.145.097 Euro gehören zu drei Vorhaben, über die öffentlich bisher deutlich weniger bekannt ist. Genau dieser Unterschied macht den Vergleich interessant: Die Fördersummen sind präzise, bei Teamgrößen, Plattformen und Entwicklungsständen wird das Bild schnell unscharf.

Für den Monatsvergleich haben wir die jeweilige Fördersumme durch den öffentlich ausgewiesenen beziehungsweise aus dem Fördereintrag ableitbaren Projektzeitraum geteilt. Beim früheren „Project Habanero“, das heute Firefighting Simulator: Ignite heißt, ist der Zeitraum amtlich exakt dokumentiert: vom 15. September 2022 bis zum 14. Mai 2025, also 32 Monate. Daraus ergeben sich rechnerisch 60.594,47 Euro pro Fördermonat. Bei den drei neuen Projekten nennt die öffentlich zugängliche Übersicht bislang nur den Monat des Eintrags und das Laufzeitende. Zählt man diese Monate einschließlich, ergeben sich ungefähr 38.499 Euro für „Kindheitstraum“, 20.845 Euro für Fernbus Simulator 2 und 16.008 Euro für Mallorca. Diese Werte sind keine monatlichen Überweisungen, sondern eine redaktionelle Vergleichsgröße.

Firefighting Simulator: Ignite ist deshalb der sinnvollste Referenzfall. Das Projekt erhielt 1.939.023 Euro und steht damit für 47,5 Prozent der gesamten hier betrachteten Förderung. Das Spiel erschien am 9. September 2025 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Bestätigt sind unter anderem die Unreal Engine 5, Einzelspieler mit NPC-Crew, ein Koop-Modus für vier Spieler, lizenzierte Rosenbauer-Fahrzeuge und Modding-Unterstützung. Zum Recherchestichtag verzeichnete die Steam-Version 1.825 Käuferbewertungen, davon 80 Prozent positiv. Zugleich zeigt der Termin eine wichtige Grenze der Förderstatistik: Der amtliche Förderzeitraum endete bereits knapp vier Monate vor der Veröffentlichung. Förderende und Veröffentlichungstermin sind also nicht dasselbe.

Das zweitgrößte Projekt trägt bisher nur den Arbeitstitel „Kindheitstraum“. ViewApp erhält dafür 962.467 Euro, was 23,6 Prozent der Gesamtsumme entspricht. Die angegebene Laufzeit endet im April 2028; auf Basis der derzeit sichtbaren Monatsangaben ergibt sich ein Näherungswert von rund 38.499 Euro pro Monat. ViewApp ist für Verkehrs- und ÖPNV-Simulationen bekannt und veröffentlicht bestehende Produkte für PC, PlayStation und Xbox. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, was „Kindheitstraum“ konkret wird. Weder eine Stadt oder Strecke noch Fahrzeuge, Plattformen oder ein Veröffentlichungsfenster sind projektspezifisch bestätigt. Auch eine Verbindung zum City Transport Simulator oder zu TramSim wäre derzeit lediglich eine Vermutung.

Fernbus Simulator 2 erhält 750.416 Euro und läuft laut Fördereintrag bis April 2029. Damit besitzt das Projekt den längsten betrachteten Zeitraum, während der rechnerische Monatswert mit rund 20.845 Euro deutlich unter den beiden größeren Projekten liegt. Der Name bestätigt zwar, dass TML Edition an einem Nachfolger arbeitet. Über den eigentlichen Inhalt sagt er aber kaum etwas aus. Eine erneute FlixBus-Lizenz, die Länder und Karten, Fahrzeuge, Engine, Mehrspielerfunktionen und konkrete Plattformen sind bisher nicht öffentlich bestätigt. Auf der offiziellen TML-Seite stehen weiterhin die veröffentlichten Spiele und The Bus im Mittelpunkt; eine eigene Produktseite für den Nachfolger ist bislang nicht sichtbar.

Beim Tourist Bus Simulator – Mallorca fällt die Förderung mit 432.214 Euro am kleinsten aus. Das entspricht 10,6 Prozent der vier Millionen Euro und – bei einer Laufzeit bis Juli 2028 – ungefähr 16.008 Euro pro Monat. Aus dem Projektnamen lässt sich seriös nur ableiten, dass Mallorca eine zentrale Rolle spielt. Ob daraus ein eigenständiger Nachfolger, eine größere Erweiterung oder ein anderes Format entsteht, ist offen. Ebenso wenig bestätigt sind der Umfang der Insel, das Wirtschaftssystem, die Busse und die Zielplattformen. Ein konkreter Ortsname wirkt zwar greifbarer als „Kindheitstraum“, ersetzt aber noch keine Produktankündigung.

Besonders schwer wird der Vergleich bei der Teamgröße. Für keines der vier Projekte ist öffentlich ausgewiesen, wie viele Entwickler im Durchschnitt daran arbeiten. Die Gesamtbelegschaft eines Studios wäre dafür ein schlechter Ersatz. Beim gesamten Unternehmen weltenbauer. wurden im Frühjahr 2026 zunächst 105, später gut 115 Beschäftigte genannt; wie viele davon Firefighting Simulator entwickelten, bleibt unbekannt. Rechnet man deshalb nur mit Szenarien, würde die Firefighting-Förderung bei 20 Projekt-FTE rund 3.030 Euro pro Person und Monat entsprechen. Bei „Kindheitstraum“ wären es 1.925 Euro, bei Fernbus Simulator 2 rund 1.042 Euro und bei Mallorca etwa 800 Euro. Das sind keine Gehälter, sondern lediglich die Zuschüsse geteilt durch angenommene Projektstellen und Monate.

Auch die vier Millionen Euro selbst sind nicht mit den vollständigen Produktionsbudgets gleichzusetzen. Im aktuellen Fördermodell können Start-ups bis zu 50 Prozent der förderfähigen Entwicklungskosten erhalten, kleine und mittlere Unternehmen bis zu 45 Prozent und Großunternehmen bis zu 25 Prozent. Auch beim älteren Modell lag die maximale Quote bei 50 Prozent. Selbst unter der großzügigsten Annahme stehen hinter 4.084.120 Euro Förderung daher mindestens 8.168.240 Euro förderfähige Projektkosten. Fällt die tatsächlich bewilligte Quote niedriger aus, steigt das gesamte Kostenvolumen entsprechend. Um die Projekte wirtschaftlich wirklich vergleichen zu können, müssten die Studios ihre Förderquote, ihr Projektbudget und die durchschnittliche Zahl der Projekt-FTE nennen.

Damit bleibt eine nüchterne, aber durchaus relevante Erkenntnis. Bei der Bundesförderung lassen sich Empfänger, Summen und Laufzeitenden relativ genau verfolgen. Ob ein Projekt für PC oder Konsole entsteht, wie groß das Team ist, welche Meilensteine bereits erreicht wurden und wann erstmals etwas gezeigt wird, bleibt dagegen häufig dem Studio überlassen. Das ist kein Beleg dafür, dass hinter den Kulissen nicht gearbeitet wird, und erst recht kein Beweis für einen falschen Einsatz der Mittel. Es zeigt aber, warum aus einer präzisen Fördersumme noch lange kein transparentes Entwicklungsprojekt wird. Wenn öffentliches Geld auf private Entwicklungspläne trifft, welche Informationen sollten Spieler und Steuerzahler deiner Meinung nach mindestens erhalten?

Welche der vier Fördersummen überrascht dich am meisten? Welches der drei noch offenen Projekte möchtest du zuerst sehen? Welche Informationen sollten Studios bei einer Förderung veröffentlichen müssen?

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Kommentare 2

Danke, das ihr hier alles Transparent und Detailliert auflistet, ich hätte niemals gedacht das die Summen zum Teil so hoch sind.

Also ich finde ja so Förderungen von Spielen eine gute Sache und oft kommt dabei auch was gutes raus (siehe z.B. Ignite). Aber bei ViewApp ist das einfach nur dreist das die trotz Förderung ( "ViewApp erhält dafür 962.467 Euro") relativ teure DLC-Preise beim CTS haben und dann auch noch nicht mal Modding-Support anbieten. Auch schwach, das z.B. die Kt4D bei dem DLC die falsche Spurweite (1435mm statt 1000mm) hat. Es wird sich bei dem Projekt wahrscheinlich um irgendwas im Zusammenhang mit CTS handeln. Da kommt dann bestimmt jedes Jahr eine neue CTS-Version oder sowas, vielleicht auch alle 2 Jahre. Da würde eine Förderung bis 2028 ja passen. CTS war und ist ja deren Hauptprojekt und es wurde ja sogar extra eine Kooperation mit dem Youtuber N-Play gestartet, um das Spiel zu bewerben.

ViewApps Argumentation mit dem Modding war ja immer, das man zu wenig Kapazitäten für die Entwicklung/Implementierung von Modding hätte und deswegen halt seine Resourcen lieber in die Entwicklung von DLCs steckt, da man ja durch die Verkaufserlöse wieder Einnahmen generiert und so die Kosten decken kann. Während Modding-Tools ja jetzt nicht direkt Einnahmen bringen wie ein DLC. Jedoch bringt Modding natürlich was für den langfristigen Erhalt von so einem Simulator (Siehe z.B. Omsi) und am Ende auch mehr DLC-Verkäufe. Kurzgesagt, Modding-Features zu Entwickeln ist ViewApp scheinbar einfach zu kostspielig.

ABER... Mit über 900.000 € Fördergeldern sollte doch dann genug Geld für die Entwicklung von Modding-Features da sein. Ich meine, das ist richtig viel Geld und zum Teil gibts Indie-Studios, die mit weitaus weniger echt viel auf die Beine stellen. Denke für Omsi 2 hat man weitaus weniger Geld benötigt und das ist bis heute in Sachen Modding, Fahrphysik und Detailtiefe ungeschlagen. Klar hat Omsi auch unzählige Bugs und die Grafik ist nicht modern. Aber was wäre wohl aus Omsi geworden, wenn die Entwickler solche Fördersummen wie ViewApp zur Verfügung gehabt hätten?

Ein besserer Vergleich als Omsi zum CTS wäre Subwaysim 2. Das baut ebenfalls auf einer modernen Engine (UE5) auf und ist noch relativ neu. Im Gegensatz zu CTS hat der Entwickler (Simuverse) hier früh Modding implementiert und es gibt auch schon ein paar interessante Mods (Berliner Großprofil Linien mit 2 Fahrzeugen + weiteren geplanten Fahrzeugen) sowie ein paar Projekte (Nürnberger U-Bahn Strecke + Fahrzeuge und Hamburger S-Bahn) wo die Entwicklung gerade erst begonnen hat. Obs eine Förderung gab und wie hoch diese bei Subwaysim 2 ausfiel, ist nicht bekannt. Bisher kamen von Simuverse auch nur 2 DLCs raus, Die Akkulok AL1 und die Berliner U-Bahn Baureihe G bzw. Giesela. Beides für einen Preis von knapp 18€. Trotzdem arbeitet man an Modding-Features und sieht das als wichtigen Teil des Simulators an.

Übrigens hat ViewApp schon in der Vergangenheit Förderungen vom Staat für "TramSim 2" erhalten TramSim 2: Förderprämien durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Da gings 2023 um 859.000€, Eine ähnlich hohe Summe. Im Oktober 2025 kam dann CTS Bus und Tram raus, im April 2026 gabs ein Update bzw. neu Release und das ganze wird seither als CTS 2026 verkauft. Also ca. 2 Jahre nach der Förderung kam CTS raus.

Interessant ist, das TramSim ja aufgegeben wurde und dann CTS raus kam. Das hat wahrscheinlich auch mit der Förderung zu tun. Da ja ein "neues" Spiel gefördert wird. Es wird also wie schon gesagt ähnlich mit CTS laufen. Da kommt dann wahrscheinlich wieder eine neue Version oder ein sehr ähnliches Spiel mit anderem Titel und ggf. muss man die DLCs usw. wieder neu kaufen.

Also, was lernen wir daraus? ViewApp hat bisher schon nicht wenige Fördergelder erhalten und alle paar Jahre "neue" bzw. sehr ähnliche Games rausgebracht. Alles bisher ohne Modding und auch eher Acarde ohne allzu große Detailtiefe (siehe CTS). Das kann definitiv nicht die Zukunft der Simulationen sein, es braucht wieder so Detailverliebte Simulatoren wie Omsi 2 die dann am besten auch gefördert werden statt Acarde-Sims wo nur möglichst viele DLCs verkauft werden sollen. Auch sollten eher langfristige Projekte gefördert werden, statt so Games wo man nach ein paar Jahren wieder etwas neues rausbringt und das alte dann nicht mehr weiterentwickelt wird.

Kann dir nur zu 100% zustimmen. ViewApp wurde ja bereits gefördert und deren "Simulationen" sind eher Acarde-Games. Man hat ja schon bei TramSim gesehen, das die nicht so lange an einem Projekt dranbleiben und dann alle paar Jahre was neues bringen. Wieso fördert man die dann noch mal, wenn deren nächstes Spiel dann wahrscheinlich nach ein paar Jahren aufgegeben wird? Sowas bringt nichts, dann lieber ein Game das über längere Zeit immer wieder geupdatet wird. z.B. beim ETS klappt das ja ganz gut.

So Projekte die gefördert werden sollten schon mehr sein als ein Acarde Game mit Bussen und Trams. Wie du schon sagtest, die Games von ViewApp sind weit entfernt von einer richtigen Simulation mit Modding und hohem Realismusgrad. CTS und TramSim sind ja so aufgebaut, das dort möglichst viele DLCs verkauft werden.

Klar kostet die Entwicklung von Moddingfeatures und Detaillierten Funktionen oder einer guten Busphysik sowie Sounds etc. Resourcen und Geld. Aber genau dafür gibt es doch Fördergelder oder? Bin da echt der gleichen Meinung, die Argumentation von ViewApp ist etwas schwach wenn man schon für CTS über 800.000€ an Förderung erhalten hat und dann sollen angeblich keine Resourcen mehr für Modding-Features da sein? Und jetzt gibts dann wieder erneut eine Förderung für ein weiteres Game von denen...

Simuverse zeigt ja mit Subwaysim 2, das Modding-Features für ein Simulationsspiel mit UE 5 durchaus machbar sind. Komischerweise müssen die nicht gefühlt 100 DLCs veröffentlichen um ihre Kosten zu decken. Ach ja, The Bus hatte ich schon fast vergessen. Selbst TML hat das mit den Modding-Tools hinbekommen.

Eine einmalige Förderung für einen Entwickler finde ich ja noch OK. Aber dann den gleichen Entwickler (ViewApp) nach ein paar Jahren wieder erneut mit einer ähnlich großen Summe zu fördern finde ich nicht gut. Da sollte man lieber andere Entwickler und Projekte unterstützen. Da gibts doch jetzt echt interessante Projekte, z.B. Railworld oder Elektronka Bratislava. Das könnten 2 richtig gute Tram-Simulationen werden.