Vom kurzen S15-Pendelverkehr zum neuen Berliner S-Bahn-Knoten: Wie soll der Betrieb künftig aussehen?
Seit dem 15. Juni 2026 verbindet die neue S15 den Berliner Hauptbahnhof mit Wedding und Gesundbrunnen. Die Linie fährt tagsüber im Zehn-Minuten-Takt und benötigt für die gesamte Strecke nur wenige Minuten. Am Hauptbahnhof hält sie derzeit nicht in einem endgültigen S-Bahnhof, sondern an einem provisorischen Bahnsteig unter der Invalidenstraße.
Dieser Interimsbahnsteig wird als Gleis 22 bezeichnet und liegt gegenüber dem eigentlichen Bahnhofsgebäude. Über einen Verbindungsgang gelangen Fahrgäste zum Hauptbahnhof und zur U5. Die Anlage ermöglicht es, den bereits fertiggestellten nördlichen Streckenabschnitt zu nutzen, obwohl der endgültige S-Bahnhof und die Fortsetzung nach Süden noch fehlen.
Der provisorische Zustand bestimmt auch den heutigen Betrieb. Auf der S15 verkehren Halbzüge mit vier Wagen. Der Bahnsteig ist nicht für die üblichen acht Wagen langen Vollzüge ausgelegt. Zudem endet die Strecke dort, weshalb die Züge nach kurzer Wende wieder über Wedding nach Gesundbrunnen zurückfahren.
Die heutige S15 ist damit kein vollständiges Abbild des später geplanten Verkehrs. Sie nutzt lediglich den ersten Abschnitt einer neuen Nord-Süd-Verbindung, die häufig unter der Projektbezeichnung S21 geführt wird. Der Hauptbahnhof soll langfristig nicht nur Endpunkt eines kurzen Pendelverkehrs bleiben, sondern zu einem Durchgangsbahnhof für mehrere S-Bahn-Linien werden.
Was ändert sich mit dem endgültigen Bahnhof?
Der endgültige S-Bahnhof Hauptbahnhof tief soll längere Bahnsteige erhalten und auch Vollzüge mit acht Wagen aufnehmen können. Gleichzeitig soll die Strecke südlich des Hauptbahnhofs weitergeführt werden. Dadurch müssten viele Züge dort nicht mehr wenden, sondern könnten den Bahnhof durchfahren.
Der zweite Bauabschnitt umfasst einen rund 1,2 Kilometer langen Tunnel vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz. Die Strecke soll durch das Regierungsviertel führen. Die Deutsche Bahn rechnet derzeit mit einer Inbetriebnahme in den 2030er-Jahren. Ein genauer Eröffnungstermin steht noch nicht fest.
Im dritten Bauabschnitt soll die Verbindung vom Potsdamer Platz über einen neuen S-Bahnhof am Gleisdreieck zu den bestehenden Stationen Yorckstraße beziehungsweise Großgörschenstraße verlängert werden. Dadurch würde die neue Strecke an die südlichen S-Bahn-Äste angeschlossen.
Erst mit diesen Abschnitten entsteht die geplante zweite Nord-Süd-Verbindung. Züge könnten dann vom nördlichen Ring über den Hauptbahnhof, den Potsdamer Platz und das Gleisdreieck weiter in den Berliner Süden fahren. Gleichzeitig soll die bestehende Nord-Süd-S-Bahn über Friedrichstraße entlastet werden.
Die S15 soll später weiter nach Norden fahren
Die S15 ist derzeit nur ein Pendelzug zwischen Hauptbahnhof und Gesundbrunnen. Nach dem bisherigen Zielkonzept soll sie später über Gesundbrunnen hinaus verlängert werden. Als erster weiterer Endpunkt wurde Waidmannslust genannt.
Damit würde die Linie künftig unter anderem über Bornholmer Straße, Wollankstraße, Schönholz, Wilhelmsruh und Wittenau fahren. Fahrgäste aus dem Norden Berlins könnten den Hauptbahnhof dann ohne Umstieg erreichen.
Bei ausreichender Zahl verfügbarer Fahrzeuge ist außerdem eine weitere Verlängerung bis Frohnau vorgesehen. Die S15 würde dann einen Teil des nördlichen Linienwegs der heutigen S1 ergänzen. Das Ziel wäre nicht, die S1 vollständig zu ersetzen, sondern den stark genutzten Korridor zu verdichten und zusätzliche Direktverbindungen zum Hauptbahnhof anzubieten.
Diese Planung wurde auch bei der Ausschreibung der künftigen S-Bahn-Verkehrsleistungen berücksichtigt. Dort wurde die S15 mit dem Linienweg Frohnau–Hauptbahnhof aufgeführt. Wann die Verlängerung tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt jedoch von der fertigen Infrastruktur, den Verkehrsverträgen und der Verfügbarkeit zusätzlicher Züge ab.
Die S46 könnte aus Königs Wusterhausen kommen
Eine weitere geplante Linie am endgültigen Tiefbahnhof ist die S46. Sie fährt heute von Königs Wusterhausen über Schöneweide, Neukölln und den südlichen Ring nach Westend.
Nach dem bisherigen Betriebskonzept soll die S46 später nicht mehr in Westend enden. Stattdessen könnte sie über Jungfernheide, Beusselstraße und Westhafen zum Hauptbahnhof weiterfahren. Dafür würde sie die westliche Verbindung zwischen Ringbahn und neuer S-Bahn-Strecke nutzen.
So entstünde eine direkte Verbindung aus dem Berliner Südosten und von Teilen des südlichen und westlichen Rings zum Hauptbahnhof. Fahrgäste aus Königs Wusterhausen, Grünau, Schöneweide oder Neukölln müssten dann nicht mehr an einem anderen Bahnhof in Richtung Hauptbahnhof umsteigen.
Am endgültigen Bahnhof könnten auf dieser Linie auch längere Züge eingesetzt werden. Der derzeitige Interimsbahnsteig ist für einen solchen regulären Betrieb nicht ausreichend ausgelegt.
Die S85 soll den Hauptbahnhof mit dem BER verbinden
Auch die S85 spielt in den bisherigen Planungen eine zentrale Rolle. Vorgesehen ist eine Verbindung vom Flughafen Berlin Brandenburg über Ostkreuz und den östlichen beziehungsweise nördlichen Ring zum Hauptbahnhof.
Die Linie würde unter anderem über Schöneweide, Ostkreuz und Gesundbrunnen führen. Damit entstünde eine zusätzliche direkte S-Bahn-Verbindung zwischen dem Flughafen, dem Osten Berlins und dem Hauptbahnhof.
Die S85 wäre nicht unbedingt die schnellste Verbindung zwischen Hauptbahnhof und BER. Dafür stehen insbesondere Regional- und Flughafenexpresszüge zur Verfügung. Sie würde aber zahlreiche Stadtteile direkt miteinander verbinden und weitere Umsteigemöglichkeiten schaffen.
In der Ausschreibung für die künftigen Teilnetze Nord-Süd und Stadtbahn wurde die S85 bereits mit dem Linienweg Hauptbahnhof–Ostkreuz–Flughafen BER berücksichtigt. Auch hier gilt jedoch, dass die praktische Einführung von der Fertigstellung der Strecke und dem verfügbaren Fahrzeugbestand abhängt.
Eine weitere Linie soll von der Siemensbahn kommen
Mit der geplanten Wiedereröffnung der Siemensbahn soll noch eine weitere Linie den Hauptbahnhof erreichen. Sie soll im Zehn-Minuten-Takt von Gartenfeld über Siemensstadt, Wernerwerk und Jungfernheide fahren.
Von Jungfernheide soll der Zug über den westlichen Ring und die Verbindung bei Westhafen in Richtung Hauptbahnhof geführt werden. Damit erhielten die Siemensstadt und die neuen Wohngebiete rund um Gartenfeld eine direkte Anbindung an den Hauptbahnhof.
Die Siemensbahn ist derzeit noch nicht in Betrieb. Die seit 1980 stillgelegte Strecke wird im Rahmen des Projekts i2030 für eine Wiedereröffnung vorbereitet. Neben der Sanierung der alten Hochbahnstrecke sind neue Gleise, Brücken, Signaltechnik und Umbauten an den Ringbahnhöfen notwendig.
Nach Fertigstellung der südlichen S21-Abschnitte soll die Linie aus Gartenfeld nicht zwingend am Hauptbahnhof enden. Perspektivisch könnte sie weiter über Potsdamer Platz in den Süden Berlins geführt werden. Ein endgültiger südlicher Zielbahnhof ist jedoch noch nicht verbindlich festgelegt.
Welche Linien fahren später wirklich?
Das grundsätzliche Ziel ist klar: Der heutige kurze S15-Betrieb soll langfristig durch mehrere durchgehende Linien ersetzt oder ergänzt werden. Der Hauptbahnhof soll aus dem Norden, Nordwesten, Südosten und vom Flughafen direkt mit der S-Bahn erreichbar sein.
Die konkrete Linienverteilung ist allerdings noch nicht endgültig. Ein Teil der genannten Planungen stammt aus dem Berliner Nahverkehrsplan 2019–2023 und aus Ausschreibungsunterlagen für zukünftige Verkehrsverträge. Bis zur Fertigstellung der endgültigen Station und der südlichen Tunnelstrecken können sich Liniennummern, Endpunkte und Takte noch verändern.
Auch die einzelnen Ausbauabschnitte werden nicht gleichzeitig fertig. Zunächst fährt die S15 weiter zum Interimsbahnsteig. Später soll der endgültige Hauptbahnhof in Betrieb gehen. Erst danach folgen die Strecke zum Potsdamer Platz und anschließend die Verbindung über Gleisdreieck zur Yorckstraße.
Damit wird der Betrieb über viele Jahre schrittweise wachsen. Möglich ist, dass einzelne Linien bereits am endgültigen Hauptbahnhof enden, bevor durchgehende Fahrten in den Süden angeboten werden können.
Aus dem heutigen kurzen Pendelverkehr könnte langfristig ein stark belasteter innerstädtischer Korridor werden. Geplant sind nach bisherigem Stand die verlängerte S15 aus Waidmannslust oder Frohnau, die S46 aus Königs Wusterhausen, die S85 vom Flughafen BER und eine neue Linie von Gartenfeld über die Siemensbahn.
Welche dieser geplanten Direktverbindungen zum Berliner Hauptbahnhof wäre für dich im Alltag am wichtigsten?
(C) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
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