TramSim, CTS 2026 und der Frust der Community: Man muss beide Seiten sehen! Warum ViewApp bei TramSim aus meiner Sicht oft zu Unrecht kritisiert wird...

Dieses Thema beschäftigt mich persönlich gerade sehr, weil die Diskussion in den Kommentaren oft schnell in eine Richtung kippt. Aussagen wie „ViewApp hat bisher schon alles in den Sand gesetzt“ oder „die Kuh wird gemolken bis zum Schluss“ liest man inzwischen regelmäßig. Gleichzeitig wird dabei fast immer sofort der Bezug zu TramSim und teilweise auch zu LOTUS München hergestellt.

Ich finde, genau hier muss man deutlich differenzierter hinschauen.

Ja, es ist absolut nachvollziehbar, dass viele Spieler sich gewünscht hätten, dass TramSim Wien in der damaligen Form weitergeführt wird. Gerade weil das Spiel für viele bis heute einen festen Platz in der Simulationsszene hat, sitzt dieser Punkt tief. Diesen Wunsch kann man nicht einfach wegdiskutieren. Aber man muss eben auch die Hintergründe betrachten.

Bei TramSim arbeiten Entwickler und Publisher nach den damaligen Entwicklungen offenbar nicht mehr zusammen. Beide Seiten halten ihre jeweiligen Anteile. Und genau hier beginnt die wirtschaftliche Realität, die man in der Diskussion nicht ausblenden darf. Wenn beide Parteien Rechte und Beteiligungen besitzen, ist es aus unternehmerischer Sicht schlicht kaum realistisch, dass eine Seite einen direkten Nachfolger entwickelt, von dem die andere automatisch mitprofitiert, obwohl die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert. Ganz nüchtern betrachtet würde das wohl niemand so machen.

Deshalb ist der Schritt, ein komplett neues Spiel zu entwickeln, bei dem man die Rechte und Anteile selbst hält, aus wirtschaftlicher Sicht ein sauberer und vor allem nachvollziehbarer Weg. Das muss man nicht feiern, aber man sollte anerkennen, dass diese Entscheidung aus Unternehmenssicht logisch ist.

Ähnlich wird oft LOTUS München als weiteres Beispiel angeführt. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick. Nach dem damaligen Statement von ViewApp wurde die Zusammenarbeit aufgrund von Meinungsverschiedenheiten beendet, weil zugesagte Features nicht in LOTUS integriert worden seien. Wenn das so der Fall war, muss man ebenfalls fair sagen: Ein DLC-Entwickler hat auf die Kernentwicklung des Hauptspiels nur begrenzten Einfluss. Auch hier liegt die Wahrheit oft nicht so einfach auf einer einzigen Seite.

Genau deshalb finde ich es problematisch, heute automatisch daraus abzuleiten, dass nun auch CTS 2026 „in den Sand gesetzt“ werde. Gerade das Gegenteil sehen wir aktuell: In den nächsten elf Tagen stehen mehrere kostenfreie Updates an. Das zeigt zumindest, dass weiter am Produkt gearbeitet wird und Support stattfindet.

Natürlich darf und soll man konstruktive Kritik äußern. Wenn Spieler bestimmte Entscheidungen kritisch sehen, Inhalte vermissen oder Vertrauen verloren haben, gehört das zur Diskussion dazu. Aber man sollte dabei nicht vergessen, dass hinter solchen Entscheidungen oft rechtliche, wirtschaftliche und partnerschaftliche Hintergründe stehen, die von außen nicht vollständig sichtbar sind.

Natürlich ist es schade, dass man die früheren TramSim-Spieler nicht irgendwie in CTS 2026 „herübertransferiert“ hat. Diesen Punkt kann ich absolut nachvollziehen, denn wer ein Spiel über längere Zeit begleitet, gekauft und unterstützt hat, möchte sich nicht fühlen, als müsse er plötzlich wieder komplett von vorne anfangen. Trotzdem müssen wir hier einmal ganz nüchtern wirtschaftlich denken: Hinter dem Projekt sitzt ein Entwicklerstudio mit Mitarbeitern, laufenden Kosten und Gehältern, die jeden Monat bezahlt werden müssen. Wenn ein komplett neues Spiel entwickelt, technisch neu aufgebaut und erweitert wird, kann man wirtschaftlich nicht ernsthaft erwarten, dass alle Käufer des vorherigen Spiels dieses Produkt automatisch gratis erhalten. Ganz ehrlich: Wie soll sich ein Unternehmen denn dann überhaupt finanzieren? Würdest du denn auch bei einem Unternehmen arbeiten, was nicht das Gehalt bezahlt?

So hart das für manche klingt, aber kein Studio kann dauerhaft davon leben, neue Spiele zu entwickeln und diese kostenlos auszugeben. Genau deshalb ist es aus Unternehmenssicht absolut nachvollziehbar, CTS als eigenständiges Produkt aufzustellen.

Der eigentliche Kritikpunkt liegt für mich aber an einer ganz anderen Stelle: der Kommunikation. Genau hier hat ViewApp meiner Meinung nach viel Vertrauen verspielt. Es gab kaum ein wirklich klares offizielles Statement und vor allem keinen sichtbaren Versuch, frühere TramSim-Spieler aktiv wieder auf die eigene Seite zu holen. Genau diese Schweigetaktik sorgt am Ende dafür, dass sich Frust festsetzt und Kommentare immer negativer werden. Wenn Spieler keine Erklärung bekommen, entsteht schnell das Gefühl, ignoriert zu werden. Und genau dann kippt die Stimmung. Hier hätte ich mir deutlich mehr Offenheit und Transparenz gewünscht, nicht einmal als Rechtfertigung, sondern einfach als ehrlichen Dialog mit der Community.

Man muss aber fairerweise auch ergänzen, dass sich dieser Punkt inzwischen verbessert hat. Seit dem Einstieg des Community Managers ist die Kommunikation aus meiner Sicht spürbar besser geworden. Updates, Einordnungen und Reaktionen auf Community-Themen sind heute deutlich präsenter als noch zu den Zeiten von TramSim und LOTUS München. Damals war das meiner Meinung nach wirklich ziemliche Mangelware, und genau dort ist viel Vertrauen verloren gegangen. Heute wirkt es zumindest so, als wolle man hier deutlich aktiver auf die Spieler zugehen. Nur der Schritt in die Vergangenheit fehlt meiner Ansicht nach weiterhin!

Auch zur Preisdebatte rund um den Season Pass muss man fair bleiben. Ja, ich finde ihn ebenfalls teuer – das kann man ganz offen so sagen. Gleichzeitig muss man aber auch ehrlich einordnen, dass man beim Einzelkauf der DLCs am Ende vermutlich sogar noch teurer unterwegs wäre. In der Simulationsbranche gibt es genug Beispiele, bei denen fast 40 Euro pro DLC aufgerufen werden, teilweise sogar ohne Bundle-Angebot. Im Vergleich dazu ist das hier zwar hochpreisig, aber eben nicht völlig außerhalb dessen, was man aus dem Genre kennt. Ich sehe den Pass deshalb vor allem als Angebot für Spieler, die schon jetzt wissen, dass sie in diesem Jahr nahezu alle Inhalte mitnehmen wollen.

Dazu zähle ich mich ganz offen tatsächlich nicht! Wien und die Tatra KT4D sprechen mich an, und wenn im Laufe des Jahres noch ein weiteres DLC erscheint, das ebenfalls interessant ist, würde ich durchaus darüber nachdenken. Genau deshalb sollte man die Diskussion nicht schwarz-weiß führen.

Am Ende gibt es bei solchen Themen fast immer zwei Seiten der Medaille. Es geht hier nicht darum, Schuld zuzuweisen oder jemanden an den Pranger zu stellen. Wenn eine Zusammenarbeit zwischen Parteien nicht mehr funktioniert, ist ein Neustart manchmal schlicht der realistischste Weg. Genau deshalb halte ich es für wichtig, die Diskussion um ViewApp fairer und differenzierter zu führen.

Über den Autor

Ich bin der fleißige Schreiber der Artikel für die Simulatoren-News.

Falls ihr Fragen zu Artikeln etc. habt, meldet euch bitte beim Team über das Ticketsystem oder gerne auch per WhatsApp: +49 1567 8431507.

Simulatoren-News Butler

Kommentare