Das berühmte Türgeräusch der Berliner S-Bahn verschwindet langsam... und die EU spielt dabei eine Rolle - aber welche?

Der typische Türsound der Berliner S-Bahn ist für viele Fahrgäste ein akustisches Markenzeichen der Stadt. Der kurze Zweiklang aus G – H – G ertönt seit Jahrzehnten kurz bevor sich die Türen schließen.

Entwickelt wurde dieses Signal Ende der 1970er-Jahre. Der damalige Betriebsingenieur Gerhard Iben arbeitete im Reichsbahnausbesserungswerk Schöneweide und bekam gemeinsam mit Kollegen den Auftrag, ein akustisches Warnsignal für die Ost-Berliner S-Bahn zu entwickeln. Bis dahin gab es hauptsächlich die bekannte Ansage „Zurückbleiben bitte“.

Das Ergebnis war eine einfache, aber einprägsame Tonfolge. Seit 1986 wurde sie in den Berliner S-Bahnen eingesetzt und entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil des Stadtklangs.

Auch spätere Züge übernahmen das Signal. Als nach der Wiedervereinigung neue Fahrzeuge der Baureihe 481 in Betrieb gingen, blieb der Zweiklang erhalten. Spätestens Anfang der 2000er-Jahre wurde das Geräusch endgültig zum Kult – sogar in der Popkultur tauchte es auf. Der Berliner DJ Paul Kalkbrenner nutzte den Sound beispielsweise in seinem Song „Train“ aus dem Film Berlin Calling.

Doch mit der neuesten S-Bahn-Generation ändert sich dieses vertraute Geräusch.

Seit 2021 sind in Berlin die neuen Fahrzeuge der Baureihe 483 und 484 unterwegs. Und wer genau hinhört, merkt schnell: Der bekannte Zweiklang wurde ersetzt – durch ein deutlich schnelleres, pulsierendes Piepen.

Der Grund dafür liegt nicht in einer freiwilligen Entscheidung der S-Bahn Berlin, sondern in einer EU-Verordnung zur Barrierefreiheit im Bahnverkehr.

Die Regel trägt den sperrigen Namen
„Technische Spezifikationen für die Interoperabilität bezüglich der Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems für Menschen mit Behinderung und Menschen mit eingeschränkter Mobilität“ – in der Branche kurz TSI PRM genannt.

Diese Verordnung wurde 2014 von der EU beschlossen und legt fest, wie bestimmte Signale in neuen Zügen gestaltet sein müssen. Besonders wichtig ist dabei die Orientierung für Menschen mit Sehbehinderungen.

Für Türwarnsignale bedeutet das konkret:
Neue Fahrzeuge müssen ein schnell pulsierendes Signal mit etwa sechs bis zehn Impulsen pro Sekunde verwenden. Auch Frequenz und Lautstärke sind teilweise genau definiert.

Der bekannte Berliner Zweiklang passt nicht in diese Vorgaben. Deshalb mussten neue Züge auf das standardisierte Piepsignal umstellen.

Interessant ist jedoch: Für ältere Fahrzeuge gilt Bestandsschutz. Das bedeutet, dass bereits zugelassene Züge weiterhin ihren ursprünglichen Türsound behalten dürfen.

Genau deshalb hört man den ikonischen Zweiklang noch immer in vielen Berliner S-Bahnen. Besonders die Fahrzeuge der Baureihe 481, die noch immer das Rückgrat des S-Bahn-Netzes bilden, fahren weiterhin mit dem alten Signal durch die Stadt.

Da diese Züge sogar modernisiert wurden und noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz bleiben sollen, wird der bekannte Sound Berlin wohl noch einige Jahre begleiten.

Langfristig dürfte er dennoch immer seltener werden. Mit jeder neuen Fahrzeuggeneration wird das standardisierte Piepen stärker verbreitet sein.

Damit verschwindet langsam ein kleines Stück Berliner Alltagskultur – auch wenn der alte Klang noch eine Weile weiter über die Bahnsteige hallen wird.

Kennst du den berühmten Türsound der Berliner S-Bahn? Ist dir aufgefallen, dass neue Züge anders klingen? Findest du den alten Zweiklang besser als das neue Piepen? Sollte der Kultsound erhalten bleiben? Denkst du, solche Geräusche gehören zur Identität einer Stadt? Hast du den neuen Sound der Baureihe 483/484 schon gehört?

(C) Deutsche Bahn AG / Dominic Dupont

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Kommentare 3

Also es gibt EU-Regelungen, die machen durchaus Sinn. Wie z.B. USB-C als einheitlicher Anschluss für Handys, Laptops, Powerbanks usw. Dadurch spart man z.B. Ladekabel, da man ja jetzt mit einem Kabel/Ladegerät alles laden kann bzw. dies dann standardisiert ist. Auch das einheitliche Zugsicherungs System ETCS ist keine schlechte Idee.

Diese Regelung mit den Türsounds ist aber wieder mal so ein Fall von überreguliert. Seit 50+ Jahren funktioniert der Zugverkehr auch ohne diese „speziellen“ Türsounds. Auf Einmal geht das dann gar nicht mehr und die Türsounds MÜSSEN alle Einheitlich sein… Dann auch noch so ein nerviger Ton… der jedes Mal ertönt.

Da haben sich die Politiker in Brüssel wieder mal was geniales einfallen gelassen. Extra spezielle Türsounds. Kostet wahrscheinlich dann wieder zusätzlich, weils ja EU-Zertifiziert sein muss und dann die „alten“ Tongeber nicht mehr verbaut werden dürfen. Und am Ende gibts dann wieder mal ein paar Firmen, die davon profitieren weil ja alle Zughersteller jetzt diese Speziellen Teile verbauen müssen…

Und z.B. in Asien oder Amerika gibts ja diese neuen Sounds nicht… trotzdem klappt das da weiterhin.
Sorry aber man muss nicht alles irgendwie regulieren. Manche Dinge machen durchaus Sinn, andere haben sind dann etwas übertrieben wie das hier. Die EU sollte sich lieber mal um das Schienennetz an sich kümmern. Zumindest in Deutschland ist das noch verbesserungsfähig…

Barrierefreiheit hin oder her. Der alte "Türgong" der Berliner S-Bahn ist einfach Kult. Finde schade, das man wirklich alles regulieren muss und dann sogar Türgongs bei Zügen vorgibt. Auch bei den berühmten Doppelstockwagen von Bombardier gibt es einen sehr coolen Türgong. Zum Glück sind diese Wagen ja noch recht neu und man trifft die oft im Regionalverkehr an. Viele neue Züge der letzten Jahre haben nur dieses nervige "Gepiepe" bzw. diesen "Einheitston". Der Ton hört sich ja nicht mal gut an. Und gebracht hat das auch nicht viel, die Leute halten die Türen trotzdem auf.


Meiner Meinung nach total unnötig, das man solche Regeln gemacht hat. Für die Barrierefreiheit sind doch Ebenerdige Einstiege und Bahnsteige sowie Aufzüge etc. viel wichtiger als Einheits Türgongs. Als ob man die anderen Türgongs nicht hören würde und ganz ehrlich wenn ich öfters mit dem ÖPNV unterwegs bin, weiß ich doch dann wie sich die Türgongs der Züge anhören. Ist ja nicht so, als würde sich der Türgong jeden Tag ändern. Und ja, die U-Bahn hat dann einen anderen Ton als die S-Bahn... Aber das kann man sich doch leicht merken. Es muss nicht immer alles gleich sein... Übertriebene Regulierung sage ich da nur. Die Ansagestimmen und Gongs sind doch auch unterschiedlich. An Ende wird die EU noch einheitliche Ansagestimmen vorschreiben. Hoffentlich wird das nie passieren.

Frage mal eine blinde Person oder eine Person mit stark eingeschränktem Sehvermögen, was sie besser findet. Die Person wird dir bestätigen, dass die Regelung sehr gut und sinnvoll ist, da es nicht nur überall gleich ist, sondern auch definitiv vernommen werden kann, wo immer mehr Leute auch schmarotzen auf ihrem Smartphone irgendwas schauen und dabei das Audio über die Lautsprecher des Smartphones laufen lassen.

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