Bus mit Strom von oben? Warum O-Busse kein Relikt sind, sondern eine eigene Kategorie!

Die Funktionsweise erinnert dabei eher an eine Straßenbahn als an einen klassischen Bus. Über zwei Stromabnehmer am Dach zapft der O-Bus permanent Energie aus der Oberleitung. Anders als bei der Straßenbahn ist er aber nicht spurgeführt, sondern lenkt wie ein Bus über die Straße. Gleichzeitig ist er auch nicht völlig spurfrei, da er sich innerhalb eines gewissen Rahmens an die Oberleitung halten muss. Genau diese Mischung macht ihn zu einem eigenen Verkehrsmittel – irgendwo zwischen Bus und Bahn.

Historisch ist der O-Bus alles andere als neu. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden erste Anlagen, weltweit folgten hunderte Netze. Seine große Zeit hatte der O-Bus vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren. Danach verschwanden viele Systeme wieder, insbesondere in Westeuropa. Ende 2024 existierten weltweit dennoch 257 Betriebe in 45 Staaten, während über 500 Netze inzwischen stillgelegt wurden. Der Schwerpunkt liegt heute in Mittel- und Osteuropa, China, Italien und der Schweiz.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier ist der O-Bus eine echte Besonderheit geworden. Aktuell existieren nur noch drei Netze: in Eberswalde, Esslingen am Neckar und Solingen. In Eberswalde fährt der O-Bus bereits seit 1940 und ist damit der älteste noch bestehende Obusbetrieb Deutschlands. Auf rund 17 Kilometern Betriebslänge verkehren dort zwei Linien, betrieben von der Barnimer Busgesellschaft.

Esslingen am Neckar betreibt das kleinste der drei Netze. Dort fahren mehrere Linien teilweise elektrisch, teilweise mithilfe von Fahrzeugen mit zusätzlicher Traktionsbatterie, da nicht alle Strecken vollständig mit Oberleitungen ausgestattet sind. Solingen wiederum ist das Schwergewicht unter den deutschen O-Bus-Städten: Mit über 100 Kilometern Streckenlänge und einem großen Fahrzeugbestand bildet der O-Bus dort das Rückgrat des städtischen Busverkehrs.

Der große Vorteil des O-Busses liegt in seiner kontinuierlichen Stromversorgung. Es gibt keine Ladepausen und keine schweren Akkus, dafür einen konstanten Energiefluss und lokal emissionsfreien Betrieb. Gleichzeitig bringt das System auch Einschränkungen mit sich: Die Infrastruktur ist sichtbar, wartungsintensiv und nicht flexibel verlegbar. Genau deshalb wird der O-Bus oft kontrovers diskutiert – gerade im Vergleich zu modernen Batteriebussen.

Am Ende bleibt der O-Bus ein spannendes Verkehrsmittel mit klaren Stärken und klaren Grenzen. Er zeigt, dass elektrischer Busverkehr nicht zwangsläufig an große Akkus gebunden sein muss, stellt aber auch Anforderungen an Stadtbild und Infrastruktur. Ob das heute noch sinnvoll ist, hängt stark von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Hast du schon einmal einen O-Bus genutzt? Wusstest du, dass es in Deutschland noch drei O-Bus-Netze gibt? Findest du Oberleitungen im Stadtbild störend oder akzeptabel?

(C) Karlo auf Wikipedia unter der Lizenz Gemeinfrei

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Kommentare 1

O-Busse oder Trolleybusse sind schon eine coole Sache. Auch in Osteuropa waren bzw. sind die noch sehr verbreitet. Viele O-Bus Strecken wurden wahrscheinlich aufgrund von Wartungskosten aufgegeben bzw. zu normalen Bussen gewechselt oder Elektrobusse mit Batterien. Schade, aber verständlich da man ja auch die Fahrleitung wie bei einer Tram hat aber halt keine Schienen und nicht so eine hohe Kapazität wie bei einer Tram.