Low Entry oder Niederflur – was steckt wirklich dahinter? So erkennst du den Unterschied bei Busse auf den ersten Blick!
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Die kurze Antwort: LE steht für Low Entry, also „niedriger Einstieg“ – und genau das beschreibt den Kern dieses Bustyps ziemlich gut.
Ein Low-Entry-Bus kombiniert zwei Welten, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Der vordere Bereich des Fahrzeugs ist stufenlos ausgeführt, meist von der Vordertür bis zur Mitteltür. Hier findest du den klassischen Niederflur-Bereich mit barrierefreiem Einstieg, Platz für Rollstühle, Kinderwagen und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste. Ab der Mittelachse ändert sich das Bild jedoch deutlich, denn der hintere Fahrgastraum liegt hochflurig und ist nur über Stufen im Mittelgang erreichbar.
Die Grundidee dahinter ist pragmatisch. Im Alltag sind nicht alle Fahrgäste auf einen komplett niederflurigen Innenraum angewiesen. Ein vergleichsweise kleiner Anteil benötigt tatsächlich einen stufenlosen Zugang. Für alle anderen sind Stufen im hinteren Bereich kein Problem. Der LE-Bus bietet daher dort Barrierefreiheit, wo sie wirklich gebraucht wird, und verzichtet im Heck auf die aufwendige Niederflurtechnik. Das macht ihn zu einem Kompromiss zwischen Barrierefreiheit und Wirtschaftlichkeit, der vor allem im Regional- und Überlandverkehr sehr gut funktioniert.
Erkennen kannst du einen LE-Bus meist recht einfach, wenn du weißt, worauf du achten musst. Der wichtigste Hinweis sind die Stufen hinter der Mitteltür. Während ein Vollniederflurbus einen durchgehend ebenen Boden hat – zumindest theoretisch – musst du beim LE-Bus nach hinten immer eine oder mehrere Stufen überwinden. Oft sitzt der Motor klassisch im Heck, was dort mehr Platz, eine ruhigere Technik-Anordnung und eine aufgeräumtere Fußbodenfläche ermöglicht. Viele LE-Busse bieten im hinteren Bereich sogar mehr Sitzplätze, da dort keine Radkästen oder Technikverkleidungen den Raum einschränken.
Auch von außen lassen sich Unterschiede erkennen. LE-Busse sind meist etwas höher gebaut, damit im hochflurigen Heck ausreichend Stehhöhe vorhanden ist. Bei manchen Herstellern, etwa Mercedes-Benz oder Van Hool, ist das Dach im hinteren Bereich sichtbar angehoben. Andere, wie MAN oder Solaris, verzichten darauf, was dann allerdings auf den hintersten Sitzreihen zu eingeschränkter Kopffreiheit führt. Beim MAN Lion’s City LE ist der Unterschied zur Niederflurversion unter anderem an der Front gut zu erkennen, etwa am höher angesetzten, schwarz verblendeten Bereich rund um den Scheibenwischer.
Technisch bringt das Konzept einige handfeste Vorteile mit sich. LE-Busse sind in der Anschaffung meist rund zehn Prozent günstiger als vergleichbare Vollniederflurbusse. Der Grund liegt in der Technik: Statt teurer Speziallösungen wie Portalachsen oder invertierten Getrieben können häufig bewährte Komponenten aus der Lkw- oder Hochflurtechnik eingesetzt werden. Das macht die Fahrzeuge nicht nur günstiger, sondern auch wartungsfreundlicher. Der Motorraum ist besser zugänglich, die Wärme staut sich weniger und Verschleißteile lassen sich einfacher erreichen.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Der Fahrgastfluss ist schlechter als bei einem reinen Niederflurbus, da Stufen und oft weit vorne liegende Mitteltüren den schnellen Wechsel behindern. Für klassischen Stadtverkehr mit vielen kurzen Halten ist ein LE-Bus daher nur bedingt ideal. Auch die Gepäckmitnahme im hinteren Bereich ist eingeschränkt, da dort meist keine großen Ablagen möglich sind. Unterflur-Kofferräume, wie man sie von klassischen Überland- oder Kombibussen kennt, fehlen ebenfalls.
Interessant ist, dass LE-Busse rechtlich trotzdem als Niederflurfahrzeuge gelten. Laut EU-Richtlinie reicht es bereits aus, wenn mindestens 35 Prozent der Stehplatzfläche stufenlos ausgeführt sind und Zugang zu mindestens einer Tür bieten. Genau diese Kriterien erfüllen LE-Busse, weshalb sie problemlos in Ausschreibungen eingesetzt werden dürfen, die Niederflurfahrzeuge fordern. Für Verkehrsunternehmen ist das ein entscheidender Punkt – und einer der Hauptgründe, warum sich dieses Konzept in den letzten Jahrzehnten so stark durchgesetzt hat.
Unterm Strich ist ein LE-Bus weder ein Rückschritt noch ein halber Niederflurbus, sondern ein klar definiertes Fahrzeugkonzept mit einem sehr konkreten Einsatzbereich. Er ist günstiger, robuster und ideal für längere Linien mit weniger Fahrgastwechseln – und genau deshalb aus dem heutigen Busverkehr kaum noch wegzudenken.
Ist dir der Unterschied zwischen LE- und Niederflurbus vorher bewusst gewesen? Hat dein Betrieb LE-Fahrzeuge? Findest du LE-Busse komfortabler oder eher störend?
(C) LosHawlos auf Wikipedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0
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