Warum fährt im CTS eine Tram, die Tramau eigentlich gar nicht braucht? Die Zweirichtungs-Tram in einer Einrichtungsstadt? Die StadtRegioTram-Debatte im City Transport Simulator!

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Tramau ist eine Einrichtungsstadt – also warum ein Zweirichter?

Tramau ist im Spiel klar als Einrichtungsbetrieb ausgelegt. Das bedeutet: Bahnsteige auf der rechten Seite, Wendeschleifen an den Endhaltestellen, Türen nur auf einer Fahrzeugseite. In der Realität würden Betriebe mit einem solchen Netz in aller Regel Einrichtungsfahrzeuge beschaffen, weil Zweirichtungsfahrzeuge im Alltag kaum Vorteile bringen und meist teurer sind.

Die Community-Frage lautete daher völlig nachvollziehbar:
Warum wurde ausgerechnet ein Zweirichtungsfahrzeug umgesetzt – und nicht eines der vielen Einrichtungsmodelle, die es bei realen Betrieben gibt, mit denen ViewApp bereits zusammengearbeitet hat, etwa bei den Wiener Linien oder der MVG?

Die Antwort von ViewApp: Realität, nicht Wunschdenken

Daniel von ViewApp hat sich auf unserem Discord sehr offen und ausführlich der Diskussion gestellt – vielen Dank dafür. Die Kernaussage lässt sich auf einen Punkt bringen: Die Fahrzeuge werden nach realem Vorbild umgesetzt – und nicht frei erfunden.

Die StadtRegioTram basiert auf dem realen Fahrzeug aus Gmunden. Dieses besitzt Türen auf beiden Seiten und zwei vollwertige Führerstände. Genau so musste das Fahrzeug auch im Simulator umgesetzt werden. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Notwendigkeit.

Denn: Nicht jeder Verkehrsbetrieb ist bereit, mit Simulationsentwicklern zu kooperieren. Häufig müssen Entwickler mit den Fahrzeugen arbeiten, zu denen sie überhaupt Zugang bekommen – inklusive Rechercheterminen, Innenraumaufnahmen und technischen Details.

„Dann macht doch einfach einen Einrichter daraus?“ – leichter gesagt als getan

Was auf den ersten Blick einfach klingt, entpuppt sich schnell als komplexe Baustelle. Ein Zweirichtungsfahrzeug in ein Einrichtungsmodell umzubauen, bedeutet nicht nur, Türen zu entfernen. Sitzanordnung, Innenraumlogik, Cockpit-Aufbau, Fahrzeugheck, technische Details – all das müsste neu recherchiert und korrekt umgesetzt werden.

Diese Daten lagen schlicht nicht vor. Online-Fotos allein reichen dafür nicht aus, wenn man ein Fahrzeug glaubwürdig und konsistent abbilden möchte. Und am Ende hätte es vermutlich genauso Kritik gegeben – dann allerdings mit dem Vorwurf, man habe ein reales Fahrzeug verfälscht oder ein „fiktives Mischmodell“ erschaffen.

Auch der Zeitpunkt spielte eine entscheidende Rolle

Ein oft übersehener Punkt: Die Entscheidung für die StadtRegioTram fiel Anfang 2023 – also rund anderthalb Jahre vor dem Early-Access-Release von CTS: Tram. Zu diesem Zeitpunkt existierte Tramau als konkrete Stadt noch gar nicht in der heutigen Form.

ViewApp benötigte damals dringend ein modernes Fahrzeug, das sich klar von den bekannten TramSim-Modellen abhebt. Gleichzeitig war die Auswahl begrenzt: Weitere Wiener oder Münchner Fahrzeuge wollte man vermeiden, andere Städte boten entweder keine wirklich modernen Trams oder waren aus Zeit- und Budgetgründen nicht erreichbar.

Stern & Hafferl hingegen waren offen, kooperativ und ermöglichten schnell einen Recherchetermin. Damit war die Entscheidung weniger eine bewusste Designwahl – sondern das Ergebnis realistischer Rahmenbedingungen.

Eine kleine Brücke für die Fantasie – und plötzlich ergibt alles Sinn

Und wenn man das Ganze einmal nicht rein technisch, sondern gedanklich innerhalb der Spielwelt betrachtet, lässt sich die StadtRegioTram sogar ziemlich elegant in Tramau einordnen.

Die offizielle CTS-Storyline liefert dafür eine einfache und zugleich charmante Erklärung: Der Bürgermeister von Tramau möchte das Straßenbahnnetz der Stadt umfassend revitalisieren. Statt sich dabei nur auf ein einziges Fahrzeugkonzept festzulegen, setzt man bewusst auf importierte Straßenbahnen aus ganz Europa – unter anderem aus Österreich und Deutschland.

In diesem Kontext wird die StadtRegioTram zu einem bewusst eingesetzten Fahrzeugtyp. Nicht, weil Tramau zwingend Zweirichtungsfahrzeuge benötigt, sondern weil man erprobt, modernisiert und Vielfalt zulässt. Unterschiedliche Fahrzeugkonzepte, unterschiedliche Bauphilosophien – ein Straßenbahnbetrieb im Wandel.

So betrachtet ist die StadtRegioTram kein Fremdkörper mehr, sondern Teil einer Übergangsphase. Einer Phase, in der Tramau ausprobiert, testet und sein Netz neu denkt. Und plötzlich fügt sich das Zweirichtungsfahrzeug ganz selbstverständlich in das Gesamtbild ein – zumindest innerhalb der Spielwelt.


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Hat dich die Zweirichtungs-Tram in Tramau irritiert? Erwartest du in einer Einrichtungsstadt ausschließlich Einrichtungsfahrzeuge? Findest du die Erklärung von ViewApp nachvollziehbar?

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Comments 2

ich denk der Tramlink als Zweirichtungsfahrzeug ist eine gute Möglichkeit, die Map von Tramau mit einer schönen Überlandstrecke und dort befindlichen Mittelbahnsteigen zu erweitern. Denn es ist ja offensichtlich acuh schon PZB zumindest vorbereitet.

Also um es kurz zu sagen ViewApp hatte die Stadt Regio Tram schon zum Großteil entwickelt und dann halt als DLC für CTS gebracht. Klar das man dann nicht alles noch mal umbaut.

Aber zum Thema Realismus. Erstmal ist diese Tram ja eigentlich meterspurig (Spurweite = 1000mm). Zumindest vom Aussehen sehen die Gleise eher nach Normalspur (1435mm) aus. Da dort ja auch der Wiener ULF oder r2.2b fahren.
Eigentlich passt das also nicht so ganz… Da hat ViewApp das sich also ein wenig zurecht gebogen. Bin kein Fan von sowas, die Spurweite sollte schon passen. Selbst wenn die Map (Tramau) fiktiv ist.

Und nochmals, die CTS Storyline ist auch irgendwie sehr frei erfunden bzw. nicht wirklich realistisch. Denn in den meisten Fällen werden Straßenbahnen individuell für ein bestimmtes Netz bzw. Unternehmen angefertigt. Viele Städte haben ja unterschiedliche Signalsysteme oder Leittechnik usw. Auch Kurvenradien und Fahrzeugmaße spielen da ne Rolle. Man kann nicht einfach ne Bahn aus einer ganz anderen Stadt irgendwo anders fahren lassen. Selbst wenn das Stromsystem das gleiche ist.

Aber natürlich ist das nicht ganz abwegig, das man z.B. alte Fahrzeuge irgendwo anders hin verkauft. So fuhren z.B. B100S aus Köln in Istanbul oder auch Düsseldorfer GT8 in Pozan.
Diese Fahrzeuge werden dann halt entsprechend angepasst bzw. nachgerüstet. Das sieht man bei den Fahrzeugen bei CTS aber eher wenig. Da sind sogar noch die gleichen IBIS Geräte, Ticketentwerter und Automaten von den „alten“ Betrieben drinnen. Sowas würde natürlich vorher ausgebaut werden bevor die Bahn weiterverkauft wird. Auch werden oft Anzeigen und FIS-Systeme angepasst. In CTS fehlt all das.