Unter 10 % positive Reviews nach Release: Was beim Military Logistics Simulator schiefgelaufen ist
Möchtest du uns finanziell unterstützen für unsere Arbeit, nutze am besten den Paypal Link am gleichen Ort! Vielen Dank!
https://discord.gg/VCuwGVdQcq
Disclaimer vorab: Dieser Artikel ist ein subjektiver Kommentar. Er richtet sich nicht gegen Personen, sondern bewertet ausschließlich das Spiel aus persönlicher Sicht. Kritik ist notwendig, aber sie soll fair bleiben. Und genau deshalb müssen wir jetzt dringend reden.
Nach eigener Spielzeit wird leider schnell klar, warum die Community so hart reagiert. Der Military Logistics Simulator fühlt sich von der ersten Minute an anstrengend an – allerdings nicht im positiven Sinne. Missionen bestehen fast ausschließlich daraus, kilometerweit zu Fuß zu laufen, um Aufgaben zu erledigen, die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Du läufst, du trägst Dinge von A nach B, dann nach C, wieder zurück nach A, anschließend nach D und danach nochmal nach B. Am Ende gibt es ein freundliches Schulterklopfen vom Spiel – und dann darfst du exakt dasselbe erneut tun. Abwechslung? Die wurde offenbar irgendwo auf dem Militärgelände vergessen.
Besonders irritierend wird es bei der internen Logik. Die Spielfigur wirkt wie ein wandelnder Supersoldat, der vermutlich auch einen Panzer schultern könnte – zumindest theoretisch. Statt einer halbwegs glaubwürdigen militärischen Logistik spielt man im Grunde einen menschlichen Gabelstapler mit Superkräften. Die Spielfigur scheint problemlos 20.000 Pfund heben zu können und bewegt tonnenschwere militärische Ausrüstung völlig selbstverständlich – ganz ohne Werkzeuge, Kräne oder Fahrzeuge. Gabelstapler? Fehlanzeige. Mechaniker? Braucht man nicht. Alles wird per Hand erledigt, offenbar mit einer Muskelkraft irgendwo jenseits der Realitätsskala. Was auf Store-Screenshots noch nach strukturierter Logistik aussieht, entpuppt sich im Spiel als reines „Ich-trage-das-mal-schnell“-Prinzip. Realismus bleibt dabei komplett auf der Strecke.
Statt sich als Teil einer funktionierenden militärischen Versorgungskette zu fühlen, hakt man Aufgaben ab wie auf einer sehr langen, sehr monotonen To-do-Liste.
Das Grundkonzept könnte theoretisch sogar Spaß machen, doch die Umsetzung macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Steuerung wirkt klobig, die Mechaniken sind unausgereift und die Missionen so wenig motivierend, dass nach Abschluss keinerlei Erfolgserlebnis entsteht. Wenn man ohnehin schon problemlos voll beladene 40-Fuß-Container durch die Gegend tragen kann, wäre der nächste logische Karriereschritt vermutlich eine Bodybuilding-Weltmeisterschaft – spielerisch hätte das kaum weniger Tiefe.
Was dem Spiel vor allem fehlt, ist Einfallsreichtum. Die Missionen sind strikt missionsbasiert, mechanisch, vorhersehbar und erzeugen keinerlei Spannung. Es gibt keinen Moment, der überrascht, keinen Punkt, an dem man denkt: „Jetzt wird es interessant.“ Die anfängliche Vorfreude verfliegt erschreckend schnell und wird ersetzt durch eine Mischung aus Langeweile, Frust und der leisen Hoffnung, dass die nächste Mission vielleicht doch etwas anders ist – Spoiler: ist sie nicht.
Auch technisch zeigt sich das Spiel von seiner schwächeren Seite. Im Koop-Modus konnten Spielstände teilweise nicht gespeichert werden, Missionen wurden trotz erfüllter Aufgaben nicht als abgeschlossen markiert. Besonders frustrierend wird es, wenn Quests schlicht nicht beendet werden können, weil gar keine Ziele vorhanden sind. Man sucht, läuft, probiert – und stellt irgendwann fest: Das Spiel weiß selbst nicht, was es von einem will.
Hinzu kommen deutliche KI-Probleme. Fahrzeuge bleiben im Pathfinding hängen, Fahrer stecken an Stellen fest, an denen objektiv nichts im Weg ist, und blockieren so ganze Abläufe. Solche Situationen reißen nicht nur aus dem Spielfluss, sie machen Fortschritt teilweise unmöglich und verstärken das Gefühl, gegen das Spiel statt mit ihm zu arbeiten.
Auch audiovisuell bleibt vieles liegen. Die Sprachausgabe ist ausschließlich auf Englisch vorhanden – ohne Untertitel. Wer die Sprache nicht fließend versteht, schaut schlicht in die Röhre. Gleichzeitig wirken die NPCs nahezu leblos: keine sinnvollen Animationen, keine Reaktionen, keine Interaktion. Die Umgebung fühlt sich dadurch steril und tot an, jede Form von Atmosphäre oder glaubwürdiger Spielwelt geht verloren.
Unterm Strich bleibt bei uns eine deutliche Enttäuschung zurück. Der Military Logistics Simulator wirkt ideenarm, monoton und in vielen Aspekten schlicht nicht zu Ende gedacht. Die extrem schlechten Steam-Bewertungen kommen nicht aus dem Nichts, sondern spiegeln ein Problem wider, das man ernst nehmen sollte. Diese Kritik ist kein Selbstzweck und kein „Bashing“, sondern ein klarer Hinweis: So darf ein Release – gerade mit diesem Anspruch – nicht einfach stehen bleiben.
Link: https://store.steampowered.com/app/2947540/Mi…stics_Simulator
Das Spiel kostet 24,99€. Bis zum 26. Dezember ist er vergünstigt für 19,99€ zu bekommen.
Hast du den Military Logistics Simulator bereits gespielt? Wie war dein erster Eindruck nach den ersten Missionen?
Über den Autor
Ich bin der fleißige Schreiber der Artikel für die Simulatoren-News.
Falls ihr Fragen zu Artikeln etc. habt, meldet euch bitte beim Team über das Ticketsystem.
Kommentare