Die Wahrheit über Kopfbahnhöfe: Schön, riesig – und ein echtes Problem...
Historisch wurden Kopfbahnhöfe häufig dort gebaut, wo man das Bahnnetz möglichst nahe an das damalige Stadtzentrum führen wollte. Die Bauform ermöglichte es, die Gleisachsen direkt auf die Innenstadt auszurichten, ohne dass eine Schneise durch dicht bebaute Quartiere geschlagen werden musste. Städte konnten wachsen, und die Bahnhöfe wuchsen unauffällig mit ihnen – oft am damaligen Rand gelegen, später im Zentrum angekommen. Wirtschaftliche Gründe spielten ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Bahngesellschaften – viele davon private Unternehmen – entschieden sich häufig für die günstigere Lösung. Ein Durchgangsbahnhof hätte deutlich mehr Flächen, Tunnel oder Brücken erfordert und wäre finanziell schwerer zu stemmen gewesen.
Für die Stadt selbst hat ein Kopfbahnhof durchaus Vorteile. Die Zufahrtsseite ist nur auf einer Flanke nötig, wodurch die Trennwirkung im innerstädtischen Bereich geringer ausfällt als bei Durchgangsbahnhöfen, deren Gleise zwei Stadtseiten voneinander abtrennen. Viele Zulaufstrecken wurden später erhöht, auf Viadukten geführt und damit aus dem Straßenraum herausgehoben, um Kreuzungen zu entlasten. Auch für Reisende bieten Kopfbahnhöfe einen Pluspunkt: Der Zugang vom Querbahnsteig aus ist übersichtlich, meist stufenfrei, und Umstiege sind sehr klar strukturiert. Züge können zudem bereits vor Abfahrt am Bahnsteig stehen, sodass Fahrgäste deutlich früher einsteigen und wettergeschützt warten können – ein Komfort, den viele Durchgangsbahnhöfe nicht bieten.
Doch betrieblich stellt ein Kopfbahnhof ein großes Hindernis dar. Sämtliche Zugbewegungen passieren über nur eine Seite. Dadurch entstehen schnell Engpässe und Verspätungen. Da Einfahrten aus Sicherheitsgründen auf maximal 30 km/h begrenzt sind, verlieren Züge bei jeder Ankunft wertvolle Minuten. Zudem kommt es bei Richtungswechseln zu längeren Standzeiten.
Ein weiteres Problem ist der Flächenverbrauch. Um dieselbe Kapazität wie ein Durchgangsbahnhof zu bewältigen, braucht ein Kopfbahnhof deutlich mehr Bahnsteiggleise und Platz. Das große Gleisvorfeld, die vielen Fahrstraßenkonflikte und das aufwändige Weichensystem erhöhen die Störanfälligkeit zusätzlich.
Welcher Kopfbahnhof wirkt auf dich am imposantesten? Findest du Kopfbahnhöfe grundsätzlich als sinnvoll oder bevorzugst du Durchgangsbahnhöfe?
Bild von Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons by sa 3.0
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