Hitze-Hölle U-Bahn: Warum die U-Bahn keine Klimaanlagen hat – und ob das jemals kommt...

Die Berliner U-Bahn ist eines der ältesten U-Bahnnetze Europas. Große Teile der Infrastruktur stammen aus Zeiten, in denen Klimaanlagen weder üblich noch technisch sinnvoll waren. Die Tunnel sind eng, niedrig und schlecht belüftet, was bedeutet, dass jede eingebaute Klimaanlage zwar die Luft im Wagen kühlen könnte, gleichzeitig aber enorme Abwärme erzeugen würde. Diese Wärme müsste irgendwo hin – und in Berliner Tunneln gäbe es dafür kaum Platz. Das Ergebnis wäre paradoxerweise eine heißere Strecke, selbst wenn einzelne Züge kälter wären.

Ein weiterer Punkt ist der Stromverbrauch. Klimaanlagen brauchen viel Energie, und die BVG müsste nicht nur die Fahrzeuge selbst umbauen, sondern auch das gesamte Stromsystem anpassen. Viele ältere Baureihen wie die F- und H-Züge wurden nicht darauf ausgelegt, dauerhaft Klimaanlagen zu betreiben. Wäre eine Nachrüstung technisch überhaupt machbar, müsste man Teile der Elektrik, Leitungen und sogar die Lüftungsschächte modernisieren. Das ist teuer, langwierig und würde den Betrieb stark behindern.

Gleichzeitig arbeitet die BVG seit Jahren daran, dieses Problem langfristig zu lösen. Die neuen Baureihen der U-Bahn – angefangen bei den moderneren IK- und JK-Zügen – verfügen über sogenannte Klimatisierungssysteme, die streng genommen keine vollwertigen Klimaanlagen sind, aber eine spürbare Verbesserung bringen sollen. Diese Systeme kühlen nicht massiv herunter, sondern sorgen für eine stabilere Luftqualität und ein paar Grad Erleichterung. Eine echte Kaltluft-Klimaanlage ist das jedoch nicht, und sie ersetzt auch nicht das Gefühl eines angenehm temperierten Raumes.

Es gibt also eine Perspektive, aber sie ist eher langfristig. Vollwertige Klimaanlagen in einer großen Zahl von Berliner U-Bahnwagen würden erst dann möglich, wenn die gesamte Flotte ausgetauscht und die Tunnelinfrastruktur angepasst ist. Das passiert nicht in wenigen Jahren, sondern eher über Jahrzehnte hinweg.

Für Fahrgäste bedeutet das: Es wird besser, aber nur langsam. Die neuesten Züge bringen bereits spürbare Erleichterungen, gerade auf den Linien, die viele oberirdische Abschnitte haben und somit besser belüftet sind. Doch an den heißesten Tagen, tief unten im Tunnel, bleibt die U-Bahn vorerst eine Herausforderung. Berlin modernisiert, Berlin plant – aber Berlin kämpft auch mit den Altlasten seiner Geschichte. Die Frage ist weniger, ob Klimaanlagen kommen, sondern wann die Stadt bereit ist, diese gewaltige Modernisierung wirklich durchzuziehen.

Wie heiß findest du es in der U-Bahn im Sommer? Findest du die neuen IK- oder JK-Züge angenehmer? Hast du das Gefühl, dass bestimmte Linien besonders schlimm sind?

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Comments 4

Also, wie hier schon erwähnt sind die Argumente der BVG halt nicht sehr gut und irgendwie will man so nur Klimaanlagen einsparen. Kann mich den anderen Usern nur anschließen. Ich kenne diese Klimaanlagen Diskussion selber aus Köln. Dort wurden früher auch Busse und Bahnen ohne Klimaanlagen beschafft (die Wagenserien 2200/2300, 4000 welche noch im Einsatz sind). Da hatte man auch mit dem Energieverbrauch und den Kosten argumentiert. Außerdem, das die Türen ja häufig geöffnet würden und deshalb die Klimaanlagen keinen Sinn machen... Es gab viele Beschwerden und immerhin werden jetzt Neufahrzeuge nur noch mit Klimaanlage beschafft, das gilt auch für Busse.

Erstmal zum Energieverbrauch. Der größte Energieverbrauch von so einer Bahn kommt durch die Motoren zustande. So viel Strom wird eine Klimaanlage niemals brauchen, das der Stromverbrauch der Bahn so hoch ansteigt. Angeblich soll das ja laut BVG 30% Mehrverbrauch bedeuten. Ein Zug der BVG-Baureihe J hat mit 4 Wagen etwa eine Leistung von 1320 kW ( https://www.stadlerrail.com/api/docs/x/03c…ro_j_bvg_de.pdf ). 30% wären da dann etwa 435,6 kW elektrische Leistung. Das wäre etwa so viel, wie etwa 217 normale Split-Klimaanlagen mit einer Stromaufnahme von 2000W = 2kW hätten. Eine Klimaanlage mit 435 kW elektrischer Leistungsaufnahme hätte laut KI ca. eine Kühlleistung von 1500-2000 kW. Das ist schon echt viel, damit kühlt man ganze Gebäude wie Einkaufszentren, Krankenhäuser, Flughäfen oder große Rechenzentren. Das würde laut KI für ein Volumen von 37.500 bis 66.600 m³ reichen. Bei einer benötigten Kühlleistung von 30-50 Watt pro Kubikmeter... Ich werde jetzt nicht Nachrechnen, aber ein U-Bahn Zug hätte da weitaus weniger Volumen und deswegen würde man da niemals eine so große Klimaanlage einabauen.

Kurzgesagt, diese Angaben von der BVG zum Energieverbrauch sind ein wenig übertrieben und jetzt nicht unbedingt realistisch. Und das mit der Abwärme... Wenn die so ein großes Problem wäre, dürften da gar keine Bahnen in den Tunneln fahren. Denn wie schon ein anderer Kommentar erwähnt hat, erzeugt die Technik der Bahn ebenfalls Abwärme.

Die BVG WILL einfach keine Klimatisierung in der U-Bahn einführen. Technische Lösungen gibt es für alle diese "Probleme" andere Städte bekommen das irgendwie hin (z.B. Madrid und Paris) während man bei der BVG nur kreativ mit den Ausreden ist... Und komischerweise gibt es ja Elektrobusse, welche Klimaanlagen haben. Wenn die so viel verbrauchen würden, würde man die ja niemals in Elektrobusse einbauen... Klar würde das Geld kosten. Aber das muss man halt investieren, wenn man einen vernüftigen und komfortablen ÖPNV haben will. Die BVG will lieber Geld sparen und die Leute wie in den 60er Jahren mit U-Bahnen ohne Klimatisierung rumfahren...

Genau, die BVG ist schlicht und einfach unfähig, sich entsprechende Lösungen auszudenken... Das ist der Wahre Grund. Früher war die BVG mal sehr innovativ und fortschrittlich, man hatte sogar schon in den 70er und 80er Jahren Teilautonome U-Bahnen im Testbetrieb und auch im Linieneinsatz http://www.berliner-verkehrsseiten.de/u-bahn/Stellwe…dy_seltrac.html.

Für damailige Verhältnisse eine sehr beeindruckende Technik, es wurden da Daten zwischen den Zügen und der Steuerung bzw. dem Leitstand ausgetauscht. Und heute kann man nicht mal mehr das Problem mit der Klimatisierung der Züge lösen. Wirklich schwach, anderswo geht das doch auch...

Rückschrittlich kann ich da nur sagen. In anderen Städten (z.B. London) bekommt man auch eine Klimatisierung von neuen U-Bahnen hin, und dort sind die Tunnel noch wesentlich enger. Moderne Bahnen sind ja auch besser gedämmt als die alten Modelle und die Klimatechnik ist effizienter als früher. Und ja, die Bahnen erzeugen auch ohne Klimaanlage Abwärme. Komischerweise wird das ja nicht als Problem angesehen, wenn die Tunnel doch angeblich so schlecht belüftet sind.

Selbst wenn man dann zusätzliche Belüftung usw. benötigt, irgendwann muss man die Tunnel sowieso erneuern/renovieren. Auf kurz oder lang würde ja durch mehr Züge sowieso mehr Abwärme erzeugt. Stationen und Tunnel besser zu belüften, das ist ja keine Raketenwissenschaft. Einfach peinlich, wie die BVG sich mit diesen "Argumenten" da mehr oder weniger drum rum redet, statt das Problem anzugehen. Einfach sagen "gibts leider nicht" ist billig und uninnovativ. Da werden dann wie vor 50 Jahren einfach Bahnen ohne Klimaanlage bestellt... Was soll daran bitte attraktiv sein? Kein Komfort sondern nur Sparmaßnahmen zulasten der Fahrgäste. Damit hat die BVG gezeigt, das die in gewisser Hinsicht ziemlich veraltet denkt und Fahrkomfort zweitrangig ist.

Also diese ganzen Argumente von der BVG gegen Klimaanlagen bei U-Bahn Zügen sind einfach nur schwach und mehr oder weniger gut formulierte Ausreden. Der Ware Grund liegt in Kosteneinsparungen. Man spart halt einfach zulasten der Fahrgäste un des Komfortes. 2025 noch ernsthaft NEUE Züge ohne Klimaanlage zu beschaffen, das ist einfach nur rückschrittlich. Also bei neuen Zügen sollte sowas schon drinnen sein.

Die meiste Abwärme wird bei den Zügen noch durch die Fahrmotoren/Umrichter etc. und Bremssysteme erzeugt. Es wird ja durch z.B. die Bremsscheiben Reibung und Abwärme erzeugt. Alte Bahnen nutzen ja oft noch Schaltwerke mit Leistugswiderständen, um die Spannung und Motorströme zu regeln. Da wird dann ein Teil des Stromes einfach in Wärme umgewandelt. Moderne Züge nutzen ja hauptsächlich Frequenzumrichter, da fällt dann nicht so viel Abwärme an.

Der Hauptverbrauch bei einer Bahn kommt auch vom Fahren, Klimaanlagen und Heizungen machen nur einen kleineren Anteil des Gesamtverbrauches aus. Klimaanlagen machen vielleicht 10-20% des Gesamtverbrauches aus, z.B. hat die BVG-Baureihe Eine Motorleistung von bis zu 100 kW pro Fahrmotor, ein Zug hat ja mehr als nur einen Fahrmotor. So viel Leistung hat keine Klimaanlage. Auch liefert die BVG ja keinerlei Zahlen zu ihren Aussagen.

Das mit den Tunneln ist auch Quatsch, wenn die Belüftung so schlecht wäre könnten dort gar keine Züge fahren. Wie soll denn sonst die Abwärme von den Motoren etc. abgeführt werden?

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