U5 bis nach Tegel – Prestigeprojekt oder überflüssige Verlängerung?

Mit der Verlängerung vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof wurde die U5 zum jüngsten Ausbauprojekt der Berliner U-Bahn. Doch diese neue Endstation soll langfristig nicht das Ende sein. Auf dem Papier führt die Strecke weiter durch Moabit, mit Anschluss an die U9 in der Turmstraße, über Jungfernheide Richtung Nordring – und schließlich bis zum früheren Flughafen Tegel.

Klingt nach Zukunftsvision? Tatsächlich gibt es diese Idee seit Jahrzehnten – und Berlin hat dafür sogar schon gebaut, ohne dass jemals ein Zug dort gefahren wäre. Unter Jungfernheide liegt bereits ein viergleisiger U-Bahnhof, dessen Doppelbahnsteige ursprünglich für U5-Richtungsverkehr vorbereitet wurden. Der Tunnel unter dem Westhafenkanal ist nicht nur fertig – er wurde gleich doppelt ausgeführt: einer für die U7, einer für die U5, mit kompletter Sicherungstechnik und Wehrkammertoren.

Diese Vorleistungen sind über 560 Meter lang und enden nördlich der Stadtautobahn. Weil es keinen realen Betrieb gibt, nutzt die Feuerwehr Teile des Tunnels für Katastrophen- und Sicherheitstrainings.

Doch das eigentliche Ziel – der alte Flughafen Tegel – existiert heute nicht mehr. Und genau hier beginnt die Hauptkontroverse:
Braucht Berlin diese Verlängerung überhaupt noch?

Befürworter sehen darin weiterhin Chancen. Moabit wächst, Turmstraße gilt als überlastet, Jungfernheide ist ein wichtiger Umsteigepunkt. Eine U5-Verlängerung würde ein neues Ost-West-Rückgrat im Berliner Westen schaffen – konsequent, direkt und unabhängig vom Autoverkehr. Außerdem existiert der Rohbau eines U5-Bahnsteigs im Bahnhof Turmstraße längst. Der teuerste Teil – die Vorleistung – ist also schon bezahlt.

Kritiker argumentieren dagegen: Die Wiedereröffnung des S-Bahn-Rings hat bereits einen Großteil der Nachfrage übernommen. Viele Ziele, die eine West-U5 abdecken würde, sind heute per Ring-Bahn gut erreichbar. Zusätzlich wurde gerade erst die Straßenbahn zum Hauptbahnhof bis Turmstraße verlängert – ein Projekt, das genau auf derselben Strecke fährt, aber günstiger und schneller zu bauen ist. Zwischen den Vorleistungen am Hauptbahnhof und Turmstraße fehlen nur knapp zwei Kilometer Tunnel – doch ob Berlin sie wirklich braucht, ist umstritten.

Für Tegel selbst fehlen außerdem konkrete Planungen. Zwar wächst das frühere Flughafengelände zur „Urban Tech Republic“, aber ob dort jemals eine U5 ankommen soll, ist offen. Ohne klares Konzept wirkt die Verlängerung eher wie ein Relikt aus alten Zeiten.

Am Hauptbahnhof selbst gibt es bereits die nächste Vorleistung: Ein 300-Meter-Tunnel der ehemaligen U55, heute Abstellanlage der U5, führt Richtung Westen. Rein technisch wäre ein Weiterbau möglich.

Macht eine U5-Verlängerung bis Turmstraße oder Jungfernheide für dich noch Sinn? Sollte Berlin lieber in neue Straßenbahnstrecken investieren statt in Tunnel? Sollte man die vorhandenen Tunnelvorleistungen endlich nutzen – oder ganz abschreiben? Ist Tegel als Ziel überhaupt noch relevant?

Bild von Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons by sa 3.0

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