Warum der ICE L so viele Wagen hat – und warum das Absicht ist!

Das Gesamtbild erinnert eher an einen Regionalzug als an den sonst gewohnt eleganten ICE 4 oder ICE 3. Doch das ist kein Designfehler – sondern das Markenzeichen der Talgo-Technik, die in Deutschland bislang einzigartig ist.

Der Grund liegt an eine völlig andere Bauweise!

Der ICE L ist kein klassischer ICE, wie ihn die Deutsche Bahn bisher kannte. Statt langer Wagenkästen auf Drehgestellen nutzt Talgo ein Gliederzugkonzept:

Jeder Wagenkasten ist kurz und leicht, und stützt sich an einem Ende auf das nächste Wagensegment. Nur am Anfang und Ende des Zuges gibt es ein vollständiges Fahrwerk mit zwei Achsen.

Zwischen den Wagen sitzen stattdessen kleine, einachsige Laufwerke, die nur ein einzelnes Radpaar besitzen. Diese „Losräder“ hängen nicht wie üblich fest an einem Drehgestell, sondern sind frei drehbar.

Dadurch ergibt sich die auffällige Optik mit vielen Gelenken – doch sie hat technische Vorteile.

Durch die kompakte Bauweise spart der Zug mehrere Tonnen Gewicht, was den Energieverbrauch senkt und die Strecke schont.
Weil sich die Losradsätze beim Fahren automatisch in die Kurve einstellen, laufen sie fast radial durch Bögen. Das bedeutet: weniger Reibung, geringere Spurkranzkräfte und damit weniger Verschleiß – sowohl am Zug als auch am Gleis.

Kurz gesagt: Was auf den ersten Blick seltsam aussieht, ist in Wahrheit eine raffinierte Ingenieurslösung.

Ein weiterer Grund für die kurzen Wagen ist der stufenlose Einstieg.
Da jeder Wagenkasten separat aufliegt, lässt sich die Einstiegshöhe exakt an Bahnsteige anpassen. Der ICE L wird damit der erste echte Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug Deutschlands – ein enormer Fortschritt für Barrierefreiheit.

Auch wenn der ICE L aus mehr Wagen besteht, ist der Zug insgesamt nicht länger als ein ICE 4.
Ein 17-teiliger ICE L misst rund 256 Meter, also fast genau so viel wie ein ICE 3 mit acht Wagen. Nur eben mit deutlich mehr, aber kürzeren Segmenten.

Und wo fährt der ICE L zuerst?

Ab dem 14. Dezember 2025 startet der ICE L im Fahrgastbetrieb zwischen Berlin und Köln.
Ab Mai 2026 folgt die Verbindung Berlin – Hamburg – Westerland (Sylt) – dann auch auf touristischen Strecken.

Findest du das Talgo-Design des ICE L gelungen oder gewöhnungsbedürftig? Sollte die Bahn lieber bei klassischen Drehgestellzügen bleiben? Und mal ehrlich: Sieht das Ding für dich auch aus wie ein XXL-Regionalzug?

(C) Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

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Comments 1

Dieser Wagentyp hat aber leider einen entscheidenden Nachteil gegenüber einem klassichen Zug mit einzelnen (zusammengekuppelten) Wagen und Steuerwagen. Die ganze Zuggarnitur ist bis auf die Lok fest verbunden und die Wagen können nicht so ohne weiteres getrennt werden.

Verlängern oder verkürzen des Zuges ist so also nur in der Werkstatt möglich. Ein riesen Nachteil wenn es mal Defekte oder Störungen an einem Wagen geben sollte. Bei einem normalen Zug würde man den einen Wagen einfach rausnehmen und auswechseln, das geht da ja nicht. Auch könnte ein normaler Zug ja einfach mit einem Wagen weniger fahren. Man kann halt nicht mal schnell was abkuppeln oder ankuppeln.

Der ICE-L ist also recht unflexibel im Vergleich mit einem normalen Wendezug, welcher nach belieben verkürzt oder verlängert werden kann. Bei Defekten müsste halt der komplette Zug in die Werkstatt und würde dann fehlen. Die gleichen Nachteile hatte schon der Talgo-Nachtzug, welcher 2009 wegen zu hohen Wartungskosten eingestellt wurde. https://de.wikipedia.org/wiki/Talgo_(De…4%E2%80%932009)